"Junkfood" für die Bienen

Autor: Prof. Dr. Jürgen Tautz
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Eine unerwartete Gefahr, auch für die Honigbienen: Was ist das Problem? In Zeiten eines Anstiegs des Treibhausgases CO2 wachsen die Pflanzen zu gut.

Kohlenhydrate als Basis

Befasst man sich mit dem Speiseplan der Honigbienen, geht es vor allem um Kohlenhydrate als wesentliche Bestandteile des Nektars, die die Bienen in Honig überführen. Diese Kohlenhydrate bilden die Basis der Energiegewinnung: Daraus bilden die Bienen Wärme und erhalten so ihre Lebensfunktionen aufrecht. Eine Blühtracht über die gesamte sogenannte Bienensaison garantiert den Bienen einen ausreichend gedeckten Tisch.
Sind Blüten nur über wenige Wochen verfügbar, besteht ernsthafte Gefahr des Verhungerns der Bienenvölker. Über den Pollen versorgen sich die Bienen mit Proteinen und Spurenelementen wie Eisen, Calcium, Magnesium und Zink. Dass nun gerade aus dieser Ecke sogar angesichts reichlich gedeckter Blütentische Gefahr drohen könnte, überrascht.

Mineralstoffe werden zur Mangelware

Viele Pflanzen sind aus einem Erdzeitalter, in dem die Atmosphäre einen sehr hohen Anteil an Kohlendioxid besaß. Diesen Verhältnissen nähern wir uns wieder an, nun menschgemacht. Viele Pflanzen entwickeln sich nun prächtig, die Produktion ihrer Biomasse steigt. Mensch und Biene steht so im Prinzip mehr Nahrung zur Verfügung. In dieser pflanzlichen Biomasse finden sich aber immer weniger Proteine, vor allem aber weniger Zink und Eisen. Das Problem wird verstärkt durch die Tatsache, dass die Pflanzen, denen eine steigende CO2-Konzentration gefällt, aus dem Boden weniger Wasser aufnehmen müssen und damit weniger Mineralstoffe.

Kohlendioxid rauf, Proteingehalt runter

Erste empirische Daten an Blütenpflanzen belegen diese Entwicklung. Der amerikanische Botaniker Lewis Ziska hat die Zusammensetzung von Pollen der kanadischen Goldrute studiert. Diese Pflanze ist zur Verfolgung der hier angesprochenen Überlegungen ideal geeignet. Sie ist in weiten Landstrichen wichtige Proteinquelle für Bienen. Im Smithsonian Naturkundemuseum finden sich in den Herbarien Exemplare bis zum Jahr 1842 zurück: An diesem Material ließ sich nun nachweisen, dass seit dem Beginn des menschgemachten Anstiegs des Kohlendioxids der Luft, der Proteingehalt im Pollen der Goldrute um 30 % gesunken ist.

"Versteckter Hunger" als Problem

Die Sorge, dass “versteckter Hunger“, d.h. sinkende Anteile wertvoller Inhaltsstoffe, nicht nur für die künftige Ernährung der Menschheit Probleme bereiten könnte, ist berechtigt. Auch den Bienen könnte diese Entwicklung zusetzen und schon jetzt ein bienenbelastender Faktor sein.
Literatur:
Ziska, L.H., Pettis, J.S., Tomecek, M.B., Clark, A., Dukes, J.S., Loladze, I., Polley, H.W.: Rising atmospheric CO2 is reducing the protein concentration of a floral pollen source essential for North American bees. Proceedings of the Royal Society B. 283(1828):20160414. 2016.
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